Die Dinge befehlen.
Im Zwiegespräch mit meiner Mutter.
Eine Arbeit über Stimme, Herkunft, Material und das leise Fortleben der Dinge.
Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Erfahrung, dass Dinge sich nicht einfach entsorgen lassen. Nicht, weil sie schwer wären, sondern weil sie an Stimmen, Beziehungen und Erinnerungen gebunden sind. Manche Objekte lassen sich nicht wegwerfen, weil ich im Zwiegespräch mit dem vorherigen Besitzer bin – mit der Sammlerin, meiner Mutter. Die Entscheidung, ob etwas bleibt oder geht, ist nicht mehr allein meine. Ich habe keine Macht mehr über die Dinge.
Zunächst habe ich die Wohnung archiviert. Jetzt öffne ich dieses Archiv und kreiere daraus surrealistische Arrangements. Bereits beim Verpacken stand ich im inneren Dialog mit meiner Mutter. Sie ist körperlich abwesend und doch gegenwärtig, als würde sie mich anleiten, vielleicht so, wie Sigmar Polkes höhere Wesen ihm Befehle gaben.
Die Dinge tragen Geschichten, Gesten und familiäre Überlagerungen. Manches könnte man auch auf dem Flohmarkt finden. Andere Gegenstände gehören zur Wegwerfgesellschaft und dem Plastikzeitalter der Gegenwart, etwa eine Spülbürste. Sie mischen sich, widersprechen sich, behaupten sich.
Diese Arbeit berührt den Einfluss der Herkunft. Die Stimme meiner Mutter wirkt laut und vielschichtig in mir fort, besonders dann, wenn es um Entscheidungen geht: behalten oder entsorgen. Manchmal kann ich etwas nicht wegwerfen, obwohl es nutzlos ist. Dann höre ich sie sagen: Hilfe, sie wirft alles weg. Nicht das, das kann man noch gebrauchen. Ich handle – und gehorche zugleich.
So werden die Dinge zu Mittlern. Sie verweigern sich. Sie fügen sich. Sie erinnern. Sie verkörpern den Widerstand der Materie gegen das Vergessen und das stille Weiterleben jener Stimmen, die uns formen. Aus Gebrauchsgegenständen entstehen poetische Arrangements einer inneren Landschaft, in der Erinnerung, Humor und Verletzlichkeit sich berühren.
Zwischen Bewahren und Loslassen entsteht eine Topografie des Unbewussten. Die Dinge sprechen. Sie verschieben und behaupten sich. Das Gespräch geht weiter, obwohl eine Stimme längst verstummt ist.
